EPI MöbelWerk: Wenn aus Holz und kreativen Ideen sichtbare Teilhabe entsteht
Das EPI MöbelWerk verbindet kreatives Handwerk mit gelebter Inklusion. Hier entstehen aus Holz, alten Möbelstücken und ungewöhnlichen Ideen einzigartige Unikate, gemeinsam entwickelt von Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitenden des EPI WohnWerks. Im Mittelpunkt steht nicht Perfektion, sondern der kreative Prozess: Teilhabe, Selbstwirksamkeit und die Möglichkeit, eigene Ideen sichtbar werden zu lassen. So entstehen Möbel mit Charakter und Haltung sowie persönlich und voller Geschichten.
Manchmal entstehen die nachhaltigsten Projekte nicht am Reissbrett, sondern aus einer Lücke heraus. Nach der Corona-Zeit waren im Atelier «Hausdienst 1» des EPI WohnWerks viele junge Menschen mit freien Stellenprozenten präsent – voller Potenzial, aber ohne passendes Angebot. Gleichzeitig brachte ein Umstand frischen Wind in bestehende Strukturen: Der Fachmitarbeiter Stefan, gelernter Schreiner, wollte eigentlich in der Holzwerkstatt mit Holz arbeiten. Eine freie Stelle gab es dort nicht. Was es aber im Hausdienst 1 gab, waren Offenheit, Kreativität und ein Team mit kunstagogischem Hintergrund. Aus dieser Konstellation heraus entstand das EPI MöbelWerk.
Im Oktober 2022 wurde die Idee konkretisiert und im darauffolgenden Frühling das erste Möbelstück gefertigt. Noch ohne grosses Konzept, dafür mit viel Neugier und kreativen Ideen. Daraufhin folgte der entscheidende Durchbruch: Das Projekt wurde der damaligen Leiterin Arbeiten vorgestellt und erhielt ihre volle Unterstützung sowie eine eigene Werkstatt. Es war der Beginn eines offenen Prozesses. Ein Jahr lang wurde getüftelt, verworfen, neu gedacht. Erste Objekte, wie zum Beispiel ein Holzmobile, entstanden, Zeichnungen wurden gesammelt und kunstagogische Methoden angewendet. Mit der Klientin Anna entwickelte sich aus ihren Zeichnungen eine kunstvolle Lampe. Der Weg dorthin war lang – und genau darin lag seine Qualität.
Was das EPI MöbelWerk besonders macht, ist nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem der Weg dorthin. Am Anfang weiss niemand, wie ein Möbelstück am Ende aussehen wird. Die Ideen entstehen im Miteinander, Entscheidungen werden gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten getroffen. Egal, ob es um einen Türknauf, Stoff oder Farbwahl geht: Alle Stimmen werden berücksichtigt. Die Möbel erhalten Namen, oft in verschiedenen Sprachen, ebenfalls von den Künstlerinnen und Künstlern gewählt. So wird Inklusion nicht nur gelebt, sondern auch nach aussen sichtbar.
Heute sind die Klientinnen und Klienten fester Bestandteil des gesamten Entstehungsprozesses: Ihre Biografien, Fähigkeiten und Denkweisen fliessen so weit wie möglich in den Prozess und das Objekt ein. Gerade ihre Offenheit – das nicht eingeengte Denken – führt zu Lösungen und Formen, auf die Fachpersonen allein nicht kommen würden. Jedes Möbelstück ist ein Unikat; kunstvoll, eigenwillig, persönlich gefärbt.
Der kreative Prozess beginnt meist mit einer Grundfrage: Upcycling oder Neubau? Alte Möbel aus dem Restposten des Flohmarkts der EPI Chilbi oder dem Antiquariat der Oberstufenschule Lengg (OSSL), teils aus den Anfangszeiten der EPI, werden zu neuem Leben erweckt. So wird aus einem alten Schlitten ein neues, kunstvolles Wandregal.
Die Zeichnungen für die einzelnen Elemente der neuen Möbelstücke entstehen gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten, werden gesammelt und in Techniken wie Stoffdruck, Fototransfer oder Pouring (das Ineinanderlaufen von Acrylfarben) übersetzt. Die Kunst erhält einen funktionalen Rahmen und damit einen neuen Wert.
Für die Teilnehmenden bedeutet das EPI MöbelWerk weit mehr als Arbeit. Viele von ihnen stehen zum ersten Mal im Arbeitsleben. Sie erleben Struktur, Verantwortung und Selbstwirksamkeit. Ihre Ideen werden ernst genommen, ihre Entscheidungen haben Konsequenzen. Gleichzeitig bleibt Raum für Pausen, für schwierige Themen wie Heimweh oder Überforderung, für Freude oder Sehnsüchte. Feste Rituale gehören dazu: Ist ein Möbelstück fertig, wird gemeinsam mit Rimus angestossen. Der Prozess wird reflektiert, gefeiert und abgeschlossen.
Auch gesellschaftlich setzt das EPI MöbelWerk ein Zeichen. Es zeigt, dass Menschen mit Beeinträchtigung Kunst schaffen dürfen und können – ohne Mitleid, ohne Vorurteile. Die Möbel sollen berühren, Neugier wecken, sichtbar machen. Nachhaltigkeit ist dabei selbstverständlich: Upcycling, bewusster Materialeinsatz, keine giftigen Stoffe, keine Perfektion. Das Unvollkommene macht die Möbel perfekt – so einzigartig wie die Menschen, die sie erschaffen.
Seit 2023 wächst das EPI MöbelWerk Schritt für Schritt. Die ersten Jahre blieben bewusst im Innern. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, nach aussen zu treten, einen Namen aufzubauen und Sichtbarkeit zu schaffen, sei es an Messen, in Kooperationen oder in der Öffentlichkeit. Denn das EPI MöbelWerk ist mehr als eine Werkstatt. Es ist ein Ort, an dem Teilhabe Form annimmt, aus Holz und aus Haltung – getreu dem Slogan «Gestaltung trifft auf Haltung – Möbel, die Menschen verbinden».
Sie interessieren sich für weitere Themen rund um das Schweizerische Epilepsie-Zentrum (SEZ)? Erfahren Sie Spannendes und Wissenswertes zur vielfältigen Arbeit auf dem Areal der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung. Hier geht’s zum Blogportal.