Nachhaltigkeitsbericht
Das EPI Areal ist nicht nur ein Naherholungsgebiet mit hoher Aufenthaltsqualität für Bewohnende des EPI WohnWerks, Patientinnen und Patienten und Besuchende, sondern auch ein mehrfach zertifiziertes Vorzeigebeispiel für ökologische Areal- und Umgebungsplanung. Im Rahmen des Jahresberichts 2024 werden ausgewählte Projekte im Bereich ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit hervorgehoben – darunter die Modernisierung des Arealwärmenetzes, die Verbesserung der Instandhaltungsstrategie, nachhaltiges Bauen sowie soziale Nachhaltigkeit im EPI WohnWerk, etwa durch Initiativen wie den Rüti-Rat und neue Pinnwände für Klientinnen und Klienten.
Nachhaltiges Wachstum durch Partizipation und aktive Mitgestaltung
Im EPI WohnWerk ist Partizipation ein zentrales Element der Qualitäts- und Nachhaltigkeitsentwicklung. Sie bedeutet, dass Klientinnen und Klienten ihr Wohn- und Arbeitsumfeld aktiv mitgestalten und bei Entscheidungen, die sie betreffen, verbindlich einbezogen werden. Damit orientiert sich das EPI WohnWerk an den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention, welche das Recht auf Mitsprache, Mitgestaltung und Mitbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigung stärkt.
Partizipation ist zugleich integraler Bestandteil unseres Dienstleistungsauftrags und richtet sich nach den Vorgaben des Kantonalen Sozialamtes sowie den Richtlinien der unabhängigen Konformitätsbewertungsstelle SODK Ost+. Somit wird Partizipation nicht als Schlagwort verstanden, sondern als konkreten Auftrag im Alltag: von der transparenten Information über die strukturierte Einholung von Rückmeldungen bis hin zur gemeinsamen Entscheidungsfindung und – wo möglich – zur Übertragung von Verantwortung in definierten Bereichen. Fachpersonen gestalten diese Prozesse bewusst, kommunizieren Entscheidungswege klar und begleiten bedarfsorientiert. Dadurch entstehen verlässliche Strukturen, die Selbstwirksamkeit fördern und gleichzeitig professionelle Rahmenbedingungen sichern.
Ein bedeutender Entwicklungsschritt in den Jahren 2024 und insbesondere 2025 war die verbindliche Einführung eines partizipativen Sitzungsgefässes in allen Abteilungen des Bereichs Werkstätten. Im Berichtsjahr wurde dieses auch weiterentwickelt und gefestigt. Es bietet einen strukturierten Rahmen, in dem Klientinnen und Klienten Themen aus dem Arbeitsalltag einbringen, Verbesserungsvorschläge diskutieren und an konkreten Lösungen mitarbeiten können.
Zu Beginn standen grundlegende Fragen im Zentrum, die gemeinsam geklärt wurden: Was ist eine Sitzung? Was braucht es, damit sie gelingt? Wie soll sie gestaltet sein? Und wie können sich alle beteiligen, die dies möchten? Dieser gemeinsame Klärungsprozess war ein wichtiger Meilenstein, da er einen ersten Schritt hin zur gelebten Partizipation darstellte und ein gemeinsames Verständnis von Mitwirkung schuf.
Je nach Fragestellung reicht die Beteiligung von der Meinungsäusserung bis hin zur gemeinsamen Beschlussfassung. Unterschiedliche Stufen der Partizipation werden so konkret erfahrbar. Im Lauf des Jahres 2025 wurde zudem zunehmend Verantwortung mit Unterstützung der Fachpersonen an Klientinnen und Klienten übertragen – beispielsweise durch erste Übernahmen der Protokollführung oder der Sitzungsleitung. Dies stärkt nicht nur Selbstbestimmung und Kompetenzerleben, sondern wirkt sich auch positiv auf die Qualität der Zusammenarbeit und die Identifikation mit dem Arbeitsumfeld aus.
Ab 2026 werden entsprechende partizipative Sitzungsgefässe auch im Bereich der Tagesstätten geprüft und schrittweise implementiert, um die Teilhabe strukturell weiter auszubauen. Denn auch Menschen mit hohem oder sehr hohem Unterstützungsbedarf haben ein Recht auf Teilhabe bzw. Teilnahme.
Ein weiteres Highlight war 2025 die Durchführung einer Zufriedenheitsbefragung. Auch hier spielte Partizipation eine zentrale Rolle: Die Ergebnisse werden nicht nur ausgewertet, sondern gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten reflektiert. Auf dieser Grundlage werden partizipativ Massnahmen erarbeitet, die anschliessend den zuständigen Entscheidungsträgerinnen und -trägern der EPI präsentiert werden. Damit wird sichergestellt, dass Rückmeldungen wirksam werden und in konkrete Qualitätsentwicklungsprozesse einfliessen.
Durch diese verbindlichen und systematisch verankerten Strukturen stärkt das EPI WohnWerk die Teilhabe nachhaltig im institutionellen Alltag. Partizipation wird so zu einem gelebten Qualitätsmerkmal und leistet einen aktiven Beitrag zu Inklusion, Chancengerechtigkeit und kontinuierlicher Weiterentwicklung.
Strukturwandel aktiv gestalten: Einblick in das neue Atelier der Tagesstätte
Per 01.01.2025 wurde die Umwandlung von 17 Werkstätten- in Tagesstättenplätze durch das Kantonale Sozialamt bewilligt. Davon konnten auch 17 Klientinnen und Klienten profitieren. Sie wurden während des ersten Halbjahres begleitet, sodass die Übergänge zwischen Werkstätten und Tagesstätten sorgfältig gestaltet und erfolgreich vollzogen werden konnten. Am 1. Juli 2025 nahm die Atelier-Gruppe im Erdgeschoss der Produktionswerkstatt ihren Betrieb als Teil der Tagesstätten auf.
Im Sinne sozialer Nachhaltigkeit wurde im Zuge dieses Veränderungsprozesses ein Übergangskonzept für Arbeitsangebote entwickelt und nachhaltig in der Organisation verankert. Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung langfristig in ihrer sozialen Teilhabe, Selbstwirksamkeit und individuellen Entwicklung zu stärken. Die Grundlage bildet ein breiter, personenzentrierter Arbeitsbegriff, der Arbeit nicht ausschliesslich über Leistungsfähigkeit definiert, sondern Ressourcen, Interessen und individuelle Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. So wurden auf der Basis des bestehenden Bereichskonzepts der Tagesstätten arbeitsnahe Tätigkeiten geschaffen, die eine strukturierte Tagesgestaltung, sinnstiftende Tätigkeit und aktive Mitgestaltung ermöglichen. Die Klientinnen und Klienten werden dabei nicht nur als Teilnehmende, sondern als Mitgestaltende des Arbeitsprozesses verstanden und in ihrer Rolle als «arbeitender Mensch» unabhängig von klassischer Erwerbstätigkeit gestärkt.
Durch die verbindliche Verankerung im Qualitätsmanagement- und Dokumentenmanagementsystem sowie eine transparente, adressatengerechte Information aller Beteiligten (z.B. mittels Unterstützter Kommunikation oder Dokumenten in Leichter Sprache) wird eine nachhaltige und verlässliche Unterstützung sichergestellt. Damit leistete das Übergangssystem einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit: Es eröffnet langfristige Teilhabechancen am Lebensbereich Arbeit und fördert somit die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung in gesellschaftliche und arbeitsweltliche Strukturen.
Entscheidend ist, dass das Übergangskonzept nicht nur formal verankert, sondern konsequent gelebt wird. Das personenzentrierte Arbeitsverständnis muss im täglichen Handeln erfahrbar sein – in der Begleitung, in der Mitgestaltung und in der Stärkung von Selbstwirksamkeit. Dafür braucht es kontinuierliche Reflexion und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung.
Konkret zeigt sich dies in der Einordnung der Arbeitsangebote in die drei arbeitsweltorientierten Tätigkeitsformen nach Lamers, Musenberg & Sensour (2021). Dadurch wird sichergestellt, dass die individuellen Interessen, Fähigkeiten und Entwicklungsziele berücksichtigt werden.
Die Wahl des Arbeitsplatzes und der Tätigkeit erfolgt selbstbestimmt. Die Klientinnen und Klienten gestalten ihren Arbeitsalltag aktiv nach ihren Interessen und Kompetenzen. Auch die Orientierung an den Jahreszeiten wird gemeinsam aufgegriffen und umgesetzt, beispielsweise durch die Auswahl thematischer Dekoration, passender Arbeitsmaterialien oder durch begleitende Spaziergänge. So werden lebensweltliche Bezüge gestärkt und sinnstiftende Erfahrungen gemeinsam gestaltet.
Ein weiteres Beispiel ist die UK-Strukturtafel. Sie bietet Orientierung im Arbeitsalltag und wird von den Klientinnen und Klienten eigenständig gesteckt und besprochen. Sie entscheiden mit und strukturieren ihren Tag aktiv. Beteiligung und Mitgestaltung werden dadurch konkret und alltagsnah erfahrbar. Klare Arbeitsanleitungen in Leichter Sprache sowie Unterstützte Kommunikation (UK) unterstützen sie dabei, Aufgaben möglichst selbstständig durchzuführen.
Die konzeptionellen Grundlagen des Ateliers sind somit gelegt und die strukturellen Voraussetzungen geschaffen. Nun gilt es, die begonnenen Prozesse gemeinsam weiterzuführen und das Atelier als lebendigen und partizipativen Arbeitsbereich innerhalb der Tagesstätte weiterzuentwickeln.
Nachhaltige Strukturen für eine zukunftsfähige Betreuung
Im Berichtsjahr hat der Bereich Wohnen zentrale strukturelle und konzeptionelle Weichenstellungen vorgenommen, um Wohnqualität, Fachlichkeit und Führung nachhaltig zu stärken. Mit klaren strategischen Entscheidungen, der Weiterentwicklung der Grundlagen und einer gefestigten wertebasierten Führung schafft der Bereich Wohnen verlässliche Rahmenbedingungen für hohe Lebensqualität, professionelle Betreuung und eine zukunftsfähige Organisation.
Aufhebung der Doppelzimmer zur Förderung von Privatsphäre und Lebensqualität
Im Rahmen der kontinuierlichen Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner wurden im Berichtsjahr die meisten Doppelzimmer aufgehoben und allen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Einzelzimmer zur Verfügung gestellt. Dieser Schritt trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei, da er mehr Privatsphäre, Ruhe und individuelle Rückzugsmöglichkeiten ermöglicht. Diese Umstellung ist Teil des sozial nachhaltigen Wohnkonzepts: Sie stärkt die Autonomie und Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner und unterstützt gleichzeitig die psychische Gesundheit, indem persönliche Räume und individuelle Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden.
Prüfung und Weiterentwicklung agogischer und pflegerischer Grundlagen
Ein zentrales Ziel war die systematische Prüfung und Weiterentwicklung der agogischen und pflegerischen Grundlagen im Wohnbereich. Dabei wurden bestehende Konzepte auf Aktualität und Wirksamkeit überprüft sowie fachliche Standards angepasst und dokumentiert. Parallel dazu wurde die fachliche Expertise der Mitarbeitenden gezielt gefördert, um die Umsetzung der Konzepte in der Praxis zu sichern. Durch diesen kontinuierlichen Entwicklungsprozess wurde sichergestellt, dass die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner auf fundierten, aktuellen und bedarfsorientierten Grundlagen basiert und gleichzeitig die Qualität, Sicherheit und Lebensqualität im Wohnalltag gestärkt werden.
Entwicklung der Führungskultur und Werteverankerung
Im Berichtsjahr stand die Weiterentwicklung einer klaren, wertebasierten Führungskultur im Wohnbereich im Fokus. Das Leitungsteam wurde formiert und arbeitet eng zusammen, um die in den Führungsleitsätzen der EPI WohnWerks definierten Werte aktiv zu leben und im Alltag zu verankern. Auf dieser Grundlage wurde ein gemeinsames Commitment im Leitungsteam erarbeitet, das kontinuierlich reflektiert und ausgebaut wird. So werden Strukturen geschaffen, die nachhaltige Zusammenarbeit, eine wertschätzende Führungskultur und ein positives Arbeitsumfeld für Mitarbeitende und Bewohnerinnen und Bewohner gleichermassen unterstützen.
Immobilien
Auszeichnung für naturnahe Umgebungsgestaltung
Das EPI Areal wurde von der Stiftung Natur & Wirtschaft für seine vorbildliche naturnahe Umgebungsgestaltung erneut ausgezeichnet – bereits zum zweiten Mal seit 2008. Die Auszeichnung bestätigt die hohe ökologische Qualität und Nachhaltigkeit des Areals. Eine naturnahe Gestaltung bietet vielfache Vorteile: Sie erhöht die Biodiversität, schafft attraktive Aussenräume und verbessert die Aufenthaltsqualität nachhaltig. Durch die regelmässige Rezertifizierung gewährleistet die EPI, dass die ökologischen Standards langfristig Bestand haben.
Umstellung auf Fernwärme in Zollikon
Die EPI hat mit den «Werken am Zürichsee» einen Anschlussvertrag für die Fernwärmeversorgung all ihrer Wohnliegenschaften in Zollikon abgeschlossen. Damit werden sämtliche bisherigen Gasheizungen ersetzt, was einen wichtigen Beitrag zur Reduktion fossiler Brennstoffe darstellt. Die Fernwärmeversorgung nutzt Seewasser als regionale Energiequelle und unterstützt die Erreichung der gesetzten Klimaziele durch nachhaltige, CO₂-arme Heizlösungen. Erneuerbare Energien stehen bei der EPI an erster Stelle – ein klares Bekenntnis zur konsequenten Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie.
Energetische Sanierung von Flachdächern
Flachdächer zählen zu den bedeutenden Wärmeverlustquellen in Gebäuden. Durch gezielte Sanierungsmassnahmen lassen sich Energieverbrauch und CO₂-Ausstoss signifikant reduzieren – ein weiterer wichtiger Beitrag zu den Klimazielen. Die EPI hat 2025 zwei Flachdächer energetisch saniert: die Klinik Lengg und das Wohnhaus auf der Rüti.
Bei der Klinik Lengg standen die Verbesserung der Wärmedämmung und die Erneuerung der Dachabdichtung im Fokus. Beim Wohnhaus auf der Rüti wurde eine hochwertige Dämmung mit moderner Dachabdichtung kombiniert und die Vorbereitung für künftige Solaranlagen berücksichtigt.
Die energetische Sanierung von Flachdächern bleibt ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie der EPI. Diese Massnahmen werden fortgesetzt, um die Energieeffizienz und Langlebigkeit ihrer Gebäude kontinuierlich zu verbessern.