Musik, Begegnung und Lebensfreude: Musiktherapie im EPI WohnWerk

Musik, Begegnung und Lebensfreude: Musiktherapie im  EPI WohnWerk


Im EPI WohnWerk der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung werden verschiedene Therapieformen angeboten, darunter die Musiktherapie. Klänge, Rhythmen, Melodien und das gemeinsame Musizieren eröffnen individuelle Zugänge zu Menschen und wirken unterstützend im Alltag. Ausgehend von den persönlichen Ressourcen und Bedürfnissen werden die Bewohnerinnen und Bewohner dort abgeholt, wo sie aktuell stehen, und gezielt in ihrer Entwicklung gefördert.


Das EPI WohnWerk der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung (EPI) ist weit mehr als nur ein Wohn- und Arbeitsort: Es ist ein lebendiger Lebensraum für Erwachsene ab 18 Jahren mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen. Hier werden Menschen begleitet, gefördert und in ihrer Einzigartigkeit gesehen. Als Teil des Schweizerischen Epilepsie-Zentrums (SEZ) verfügt das EPI WohnWerk über jahrzehntelange Erfahrung in der Unterstützung von Menschen mit Epilepsie, steht aber ebenso Menschen ohne Epilepsie offen.
Neben der sozialpädagogischen Begleitung bietet das EPI WohnWerk ein breites medizinisch-therapeutisches Angebot – von Physio- und Ergotherapie über Logopädie bis hin zu Hydro- und Hippotherapie. Doch ein Angebot hat sich in den letzten Jahren als besonders wertvoll erwiesen und das Leben oder den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner im EPI WohnWerk nachhaltig bereichert: die Musiktherapie.

Musiktherapie im EPI WohnWerk


Musiktherapie – ein Angebot mit spürbarer Wirkung


Was 2020 noch mit wenigen Stunden begann, ist heute ein fester Bestandteil des Wochenprogramms. An fünf Tagen pro Woche begegnet die Musiktherapeutin den Bewohnenden mit musikalischen Elementen wie Rhythmus, Dynamik, Klang, Melodie und Form. Sie richtet sich nach den individuellen Ressourcen, Fähigkeiten und Bedürfnissen jeder Person und holt sie genau dort ab, wo sie emotional und entwicklungsbedingt steht. In diesen besonderen Räumen entstehen Begegnungen voller Eindruck, Kommunikation und Ausdruck, selbst dort, wo Worte nicht ausreichen. Im Mittelpunkt stehen dabei musikalisch emotionale Erlebnisse und die Förderung der Beziehungsqualität.


Die Wirkung ist deutlich spürbar: Die entwicklungspsychologisch orientierte Musiktherapie wird von Bewohnenden, Angehörigen und Fachpersonen gleichermassen geschätzt und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie ist ein wissenschaftlich fundiertes, psychotherapeutisches Verfahren, das Musik gezielt zur Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit einsetzt. Dabei verbindet sie künstlerisch-kreatives Handeln mit therapeutischer Tiefe. Grundlage jeder musiktherapeutischen Arbeit ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu den Klientinnen und Klienten. Ausserdem wird für jede Person individuell entschieden, welche Form der Musiktherapie mit der entsprechenden Methodik sinnvoll ist. Dabei werden sowohl klassische Musikinstrumente als auch computergestützte Musik eingesetzt.


Diagnostische Instrumente


Für eine zielgerichtete, individuelle Begleitung kommen verschiedene, validierte Diagnosetools zum Einsatz:

  • EBQ-Instrument (Schumacher, Calvet & Reimer): Schätzt die Beziehungsqualität ein, unterstützt die Auswahl passender Interventionen und dient der Evaluation.
  • MUSAD (Bergmann et al.): Eine musikbasierte Beobachtungsskala zur strukturierten Einschätzung bei Verdacht auf Autismus bei Erwachsenen mit Intelligenzminderung.
  • SEED (Sappok et al.): Erfasst den emotionalen Entwicklungsstand und hilft, Betreuung und Therapie an basale emotionale Bedürfnisse anzupassen.


Mithilfe dieser diagnostischen Instrumente entsteht ein präzises Bild, das Therapie nachhaltig und wirksam macht und die Therapeutin/ den Therapeuten unterstützt, die richtige Herangehensweise zu wählen und zu evaluieren.


Musiktherapie im EPI WohnWerk


Ziele und Wirkungsweise


Die aktive sowie die rezeptive Musiktherapie arbeiten ressourcen-, prozess- und erlebnisorientiert und wird stets individuell auf jede Person zugeschnitten. In der aktiven Musiktherapie gestalten Klientinnen und Klienten Musik selbst, zum Beispiel durch Singen, Instrumentenspiel, Klangerzeugung oder Bewegung; in der rezeptiven Musiktherapie hören die Klientinnen und Klienten ausgewählte oder vertraute Musikstücke, die live gespielt, vom Tonträger abgespielt oder für sie improvisiert wird.


Sie kann auf der körperlichen, kognitiven und der sozio-emotionalen Ebene wirken: In Bezug auf die Kognition fördert sie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis. Emotionale Aspekte werden durch die Unterstützung der Affektregulation und emotionalen Stabilität angesprochen. Körperlich werden Grob- und Feinmotorik sowie die Körperwahrnehmung gefördert. Zudem spielt die soziale Ebene eine wichtige Rolle, indem Beziehungen, Dialoge und gemeinsame Aktivitäten gestärkt werden.


Konkrete Ziele aus der Praxis umfassen den behutsamen Aufbau von Kontakt und Vertrauen, die Förderung der Selbstwahrnehmung und inneren Sicherheit sowie die Unterstützung bei der Regulation intensiver Gefühle. Darüber hinaus zielt die Therapie darauf ab, das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit zu stärken sowie gemeinsame Aufmerksamkeit und Erlebnisse aufzubauen.


Musik als Gemeinschaftserlebnis


Im EPI WohnWerk findet nicht nur eine individuelle Therapie statt, sondern Musik wird auch als gemeinschaftliches Erlebnis erlebt. Mehrmals im Jahr verwandelt sich das EPI WohnWerk in eine bunte, barrierefreie Disco. Mit wechselnden Themen und Mottos, Lieblingssongs und ganz viel Energie gehören diese Abende zu den Höhepunkten im Jahreslauf. Sie bringen Bewegung, Freude und Begegnung und zeigen eindrucksvoll, wie verbindend und stärkend Musik sein kann. Für viele Bewohnende des EPI WohnWerks ist die Disco ein Moment purer Lebensfreude und ein Zeichen dafür, dass Musik mehr ist als nur Therapie: Sie ist Kultur, Gemeinschaft und Freiheit. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr zu unseren barrierefreien Discos. 

Musiktherapie im EPI WohnWerk


Mehr Lebensqualität 


Die Fortschritte aus der Musiktherapie wirken weit über die Sitzungen hinaus: Verbesserte Kommunikation, stabilere Emotionen und mehr Selbstwirksamkeit stärken das Wohlbefinden im Alltag. Musiktherapie ist damit ein nachhaltiges Angebot, das Teilhabe und Lebensqualität nachweislich erhöht.


Die Musiktherapie im EPI WohnWerk ist ein zentraler Baustein für mehr Lebensqualität; sie öffnet Türen, wo Sprache endet, und macht sichtbar, wie viel Ausdruck, Stärke und Lebensfreude in jedem Menschen steckt. Musik macht Einzigartigkeit hörbar und verbindet, und das jeden Tag aufs Neue.

Autorin

Eva Merckling
Eva Merckling

Eva Merckling

Musiktherapeutin

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